Qualitätsziel
Oft eine angemessene Indikation anhand klinischer (Schmerzen und Bewegungseinschränkung) und röntgenologischer Kriterien
Hintergrund des Qualitätsindikators
Bei der Hüft-TEP handelt es sich um einen elektiven Eingriff. Eine strenge Indikationsstellung zum Eingriff ist daher zu fordern. Linsell et al. wiesen in einer großen Befragungsstudie darauf hin, dass Patienten, die mit Hüft-TEP versorgt wurden, weiterhin mehr Hüftbeschwerden aufweisen als die vergleichbare Gesamtbevölkerung (Linsell et al. 2006).
Die europäische multidisziplinäre Leitlinie der EULAR (Zhang et al. 2005) definiert therapierefraktäre Schmerzen und Beweglichkeitseinschränkung in Verbindung mit radiologischen Arthrosezeichen als Indikation zum Hüftgelenkersatz.
Strukturierter Dialog zum Erfassungsjahr 2005
Im Strukturierten Dialog 2006 zum Erfassungsjahr 2005 wurden von den angeschriebenen Krankenhäusern vor allem Dokumentationsprobleme als Gründe für rechnerische Auffälligkeiten angegeben. Dies betrifft sowohl die Anwendung des röntgenologischen Arthrose-Scores nach Kellgren & Lawrence als auch die Bestimmung der Beweglichkeit nach der Neutral-Null-Methode. Von 68 angeschriebenen Krankenhäusern waren nach Abschluss des Strukturierten Dialogs zwei Krankenhäuser auffällig. Weitere 40 Krankenhäuser werden gezielt im Folgejahr beobachtet.
Bewertung der Ergebnisse 2006
Die Fachgruppe hat mit diesem Qualitätsindikator klinische Kriterien (Beweglichkeit, Schmerzen) und röntgenologische Kriterien (modifizierter Arthrose-Score) definiert, die zur Indikationsstellung einer Versorgung mit Hüftendoprothese erfüllt sein sollten.
Die Gesamtrate der Fälle, die die klinischen und radiologischen Indikationskriterien erfüllen, ist 2006 gegenüber dem Vorjahr angestiegen (von 72,38 auf 76,09%). Dennoch liegt sie weiterhin deutlich unter dem Referenzbereich von mindestens 90%. Eine sehr bedenkliche Spannweite der Krankenhausergebnisse von 0,0 bis 100% ist aus Sicht der Fachgruppe schwer zu erklären. So wurde z.B. in einem Krankenhaus mit 73 Fällen in keinem Fall dokumentiert, dass die o.g. Indikationskriterien erfüllt waren.
Wie im Vorjahr ist bei diesem Indikator festzustellen, dass das Qualitätsziel nicht erreicht wurde und hier weiterhin besonderer Handlungsbedarf besteht.
Aus Sicht der Fachgruppe besteht dringender Klärungsbedarf, was die Ursachen dieses auffälligen Ergebnisses sind. Die im Strukturierten Dialog genannten Dokumentationsprobleme erklären diese Auffälligkeiten nur teilweise. Die Fachgruppe ist sich der Tatsache bewusst, dass sich die Indikationsstellung zu einer Hüft-TEP nur schwierig allgemeingültig festlegen lässt. Die im Qualitätsindikator definierten Kriterien stellen daher lediglich Mindestanforderungen dar, die erfüllt sein sollten.
Detailliertere Rahmenvorgaben zur Indikationsstellung in den Leitlinien der Fachgesellschaften (Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie, Deutsche Gesellschaft für Chirurgie) wären aus Sicht der Fachgruppe erforderlich. Darüber hinaus sollte auf den Fachkongressen und Jahrestagungen der Fachgesellschaften die Versorgungssituation zu diesem Qualitätsindikator thematisiert werden.