Dr. Christof Veit
Dynamische Verbesserung der Versorgungsqualität
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,
wer die BQS-Qualitätsreports der letzten drei Jahre und die darin dokumentierte Entwicklung des Verfahrens aufmerksam verfolgt, kann feststellen, dass nicht nur die politischen Rahmenbedingungen, sondern das BQS-Verfahren selbst und seine Auswirkungen deutlich an Dynamik gewonnen haben.
Qualität der Daten
Die Vollständigkeit der Datenerhebung ist auf über 98% angestiegen. Durch den Nachweis guter Datenvalidität anhand der 2006 erstmals bundesweit durchgeführten Datenvaliditätsprüfung werden die Ergebnisse in ihrer Bedeutung untermauert.
Qualität der Indikatoren
Genauso wichtig ist die erstmalige Anwendung eines von der BQS entwickelten Verfahrens zur Messung der Qualität der Indikatoren selbst. Diese QUALIFY genannte Methodik wurde 2006 erstmals durch die Fachgruppen auf die Qualitätsindikatoren des Verfahrens angewandt und dabei wurden 27 von 55 geprüften Qualitätsindikatoren in die höchste Güteklasse eingruppiert: Sie sind für eine öffentliche, vergleichende Qualitätsdarstellung geeignet und wurden daher in die Qualitätsberichte nach §137 SGB V verpflichtend aufgenommen. Aber auch die Qualität der übrigen geprüften Qualitätsindikatoren kann durch QUALIFY differenziert dargestellt werden. So können z.B. Qualitätsindikatoren für den öffentlichen Vergleich nicht geeignet sein, aber hervorragend für den Strukturierten Dialog und das interne Qualitätsmanagement.
Strukturierter Dialog
Zentraler Bestandteil des BQS-Verfahrens ist der Strukturierte Dialog mit den Krankenhäusern. In
diesem BQS-Qualitätsreport wird über die meist auf Landesebene durchgeführten Kontakte mit auffälligen Krankenhäusern erstmals im Detail berichtet.
Besonderer Handlungsbedarf
Die Ergebnisse der BQS-Bundesauswertung 2006 zeigen, dass die deutschen Krankenhäuser eine Versorgung auf hohem Qualitätsniveau gewährleisten. Bei 158 der 180 im Jahr 2006 eingesetzten Qualitätsindikatoren kann eine zufriedenstellende oder gute Versorgungssituation konstatiert werden.
Die BQS-Fachgruppen haben aber auch 22 Qualitätsindikatoren mit besonderem Handlungsbedarf identifiziert. Für diese Qualitätsindikatoren traf mindestens eines der folgenden Bewertungskriterien zu:
-
Das Gesamtergebnis liegt nicht innerhalb des Referenzbereichs.
- Ein Großteil der Krankenhäuser weicht von erreichbar guter Qualität ab.
- Die Ergebnisse haben hohe klinische Relevanz.
- Es gibt besonderen Handlungsbedarf aufgrund anderer, z.B. technisch bedingter, Faktoren.
Bei 19 dieser 22 Qualitätsindikatoren war zwar eine Qualitätsverbesserung gegenüber dem Vorjahr erkennbar, aber vom Ausmaß noch nicht ausreichend. Bei drei Qualitätsindikatoren musste eine Stagnation gegenüber den Vorjahresergebnissen festgestellt werden. Um die Verbesserung gerade in diesen Indikatoren voranzutreiben, hat der Unterausschuss „Externe stationäre Qualitätssicherung“ des Gemeinsamen Bundesausschusses eine Arbeitsgruppe beauftragt, die erforderlichen Maßnahmen umzusetzen. Diese Arbeitsgruppe bindet etwa die wissenschaftlichen Fachgesellschaften und die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) in die Aktivitäten ein.
Ein konsequenter Strukturierter Dialog sowie die Fortführung der Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Fachgesellschaften müssen weiterhin im Mittelpunkt stehen, um notwendige Verbesserungen zu erreichen.
Patientenorientierung
Zielgruppe des Qualitätsmanagements sind unbestritten Patienten und Bevölkerung, deren Versorgung kontinuierlich verbessert und weiterentwickelt wird. Ihr Vertrauen ins Gesundheitssystem soll durch die öffentliche Darstellung der Versorgungsqualität und der Maßnahmen zu deren Verbesserung gewonnen werden. Die Mitwirkung der Patientenvertreter in den Fachgruppen ist schon zu einem geschätzten, festen Bestandteil der BQS-Arbeit geworden, in der diesen die Möglichkeit zur kritischen Begleitung des Verfahrens und zur Fokussierung auf patientenrelevante Indikatoren möglich ist. Die laienverständliche Darstellung der Ergebnisse wird durch die Veröffentlichung der Qualitätsberichte der Krankenhäuser einen großen Schritt vorangebracht. Hierzu hat die BQS wie oben beschrieben geeignete Indikatoren identifiziert und hierfür laienverständliche Bezeichnungen der Qualitätsindikatoren im Internet zur Verfügung gestellt.
Das Gelingen einer zukünftig noch transparenteren Darstellung von Versorgungsqualität wird von einer engen Zusammenarbeit mit den Patientenvertretern abhängen, um gemeinsam eine Steigerung des Nutzens der Informationen für Laien und ein Vermeiden nicht sachgerechter Vereinfachungen und Polemisierungen anzustreben.
Neue Leistungsbereiche
Erstmals liegen 2006 Ergebnisse zu Lebertransplantation, Leberlebendspende, Nierentransplantation und Nierenlebendspende vor. Für den Bereich der Herztransplantation konnten nun Verlaufskontrollen im Ein-Jahres-Abstand ausgewertet werden.
Verbesserung
Qualitätssicherung legitimiert sich durch Verbesserungen. Daher entwickeln derzeit die Landesgeschäftsstellen und die BQS ein Konzept für die Darstellung der gemeinsamen Arbeit, das auf die erreichten Veränderungen fokussiert. Dabei wird es auch darum gehen, sich vermehrt mit Qualitätsindikatoren zu befassen, deren Ergebnisse trotz Mängel noch statisch verharren. Kennzahlen zu bewirkten Verbesserungen sollen künftig wesentlich mehr im Fokus des Interesses stehen. Vorschläge für weitere grundsätzliche Verfahrensverbesserungen werden derzeit gemeinsam erarbeitet. Das BQS-Verfahren ist ein lernendes Verfahren, das zielorientiert zwischen notwendiger Veränderung und ebenso notwendiger Stabilität die Balance hält.
Methodenentwicklung
Neue Methoden der Qualitätsmessung wie Patientenbefragung und Peer-Review als Teil des BQS-Verfahrens sind in Vorbereitung. Sie signalisieren den Start der BQS in eine größere Methodenvielfalt, um flexibel die Qualität unterschiedlichster Versorgungssituationen adäquat bestimmen zu können.
Der Stolz auf das Erreichte und die Ungeduld, noch Unerreichtes zu realisieren, machen diesen BQS-Qualitätsreport zum motivierenden Ansporn für die Arbeit im bereits begonnenen Erfassungsjahr 2007.
Düsseldorf, im Juli 2007
Dr. Christof Veit
Geschäftsführer der BQS Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung gGmbH