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Qualitätsziel

E-E-Zeit bei Notfallkaiserschnitt

Selten Entschluss-Entwicklungs-Zeit (E-E-Zeit) von mehr als 20 Minuten beim Notfallkaiserschnitt

Hintergrund des Qualitätsindikators

Ein Notfallkaiserschnitt ist eine Schnittentbindung, die im Rahmen einer mütterlichen oder kindlichen Notlage vorgenommen wird. Es ist erforderlich, diese Notlage so schnell wie möglich zu beenden, da mit längerem Andauern die Gefahr für bleibende Schäden steigt. Die E-E-Zeit bezeichnet die Spanne vom Entschluss zum Notfallkaiserschnitt bis zur Geburt des Kindes. Untersuchungen haben gezeigt, dass sich die Prognose des Kindes bei kurzer E-E-Zeit verbessert (Leung et al. 1993, Korhonen & Kariniemi 1994) und die Gefährdung der Mutter trotz kurzer Vorbereitungszeit nicht steigt (Hillemanns et al. 2003). Hohe Raten einer E-E-Zeit über 20 Minuten weisen auf relevante Organisationsprobleme hin.

Strukturierter Dialog

Bewertung der Ergebnisse 2008

Die Einhaltung der 20-Minuten-Grenze bei der E-E-Zeit bei Notfallkaiserschnitt gehört zu den grundlegenden Voraussetzungen der Organisation einer geburtshilflichen Abteilung (DGGG 1995, DGGG 2008). Die Rate der Geburten mit Überschreitung dieser 20-Minuten-Grenze ist im Vergleich zum Vorjahr erneut gesunken. Dennoch wurde die Grenze von 20 Minuten bei 168 Geburten in 112 Krankenhäusern nicht eingehalten. Die BQS-Fachgruppe bewertet die Überschreitung der 20-Minuten-Grenze als kritisches Indikatorereignis und hält eine intensive Analyse jedes Einzelfalles im Strukturierten Dialog für erforderlich.

Im Strukturierten Dialog für das Erfassungsjahr 2007 wurden 120 Krankenhäuser um eine Stellungnahme gebeten. Von diesen gaben 63% Dokumentationsprobleme als Ursache der Auffälligkeit an. In zehn Krankenhäusern wurden qualitative Auffälligkeiten festgestellt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet.

Die BQS-Fachgruppe weist darauf hin, dass die Dokumentation einen wesentlichen Bestandteil der medizinischen Tätigkeit darstellt und diese Begründung daher nicht mehrfach akzeptiert werden kann. Die Fachgruppe hält des Weiteren die von einigen Krankenhäusern im Strukturierten Dialog zur Begründung herangezogene Definition von eiliger Kaiserschnitt (versus Notfallkaiserschnitt) im Einzelfall für überprüfenswert. Für auffällig hält die BQS-Fachgruppe, dass für das Erfassungsjahr 2008 E-E-Zeiten von mehr als 20 Minuten prozentual häufiger in Krankenhäusern mit weniger als 1.000 Geburten dokumentiert wurden (3,6%) als in Krankenhäusern mit mindestens 1.000 Geburten (1,2%).

Die Fachgruppe sieht bei diesem Indikator trotz der festgestellten Verbesserung auch in diesem Jahr eine kritische Versorgungssituation. Sie empfiehlt eine Stichprobenprüfung im Datenvalidierungsverfahren, um Dokumentationsprobleme in den Kliniken objektivieren zu können. Neben der Abklärung der Auffälligkeiten im Strukturierten Dialog wird auch eine vertiefte Diskussion auf wissenschaftlichen Fachkongressen zu diesem Thema angeregt.