Risikoadjustierte Kennzahlen mittels beobachteter (O) und erwarteter (E) In-Hospital-Letalität
Die Berechnung der risikoadjustierten Kennzahlen erfolgt leistungsbereichsbezogen. Außerdem wurden für die isolierte Aortenklappenchirurgie getrennte Berechnungen für konventionell-chirurgische und kathetergestützte Eingriffe vorgenommen. Betrachtet man nun zum Beispiel alle Patienten eines Krankenhauses, die in ihrer ersten Operation während des stationären Aufenthaltes isoliert koronarchirurgisch versorgt wurden, dann erhält man mittels KCH-Score 3.0 für jeden Patienten (mit vollständigen Angaben zu allen Risikofaktoren) die unter Berücksichtigung seines Risikoprofils erwartete Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus zu versterben. Wird hierüber der Mittelwert gebildet, erhält man die aus dem Patientenmix resultierende erwartete In-Hospital-Letalität (E für Expected) eines Krankenhauses. Diese wird nun mit der bei diesen Patienten tatsächlich beobachteten Krankenhaussterblichkeit (O für Observed) verglichen. So lässt sich über die Verhältniszahl O/E erkennen, wie groß die Abweichung einer beobachteten In-Hospital-Letalität in Relation zur erwarteten In-Hospital-Letalität ist. Wäre zum Beispiel E = 3,5% und O = 2,6%, so betrüge das Ergebnis des Krankenhauses das 0,74-Fache des erwarteten Wertes (0,74 = 2,6%/3,5%). Das Ergebnis wäre 26% besser, als nach der Risikostruktur der Patienten zu erwarten gewesen wäre. Zur Berechnung der risikoadjustierten Krankenhaussterblichkeit in den einzelnen Krankenhäusern wird schließlich die Verhältniszahl O/E mit der bundesweit beobachteten In-Hospital-Letalität (OGesamt) multipliziert. Diese beschreibt dann für jedes Krankenhaus das Ergebnis, das erreicht würde, wenn alle Krankenhäuser Patienten mit der gleichen Krankheitsschwere behandelt hätten. Damit werden alle Krankenhausergebnisse direkt miteinander vergleichbar.
Abbildung 1 zeigt die Verteilung der beobachteten (O) und erwarteten (E) In-Hospital-Letalität für alle Krankenhäuser im Leistungsbereich isolierte Koronarchirurgie. Das Verhältnis O/E und die entsprechende risikoadjustierte In-Hospital-Letalität ist in gleicher Sortierung dargestellt wie bei O. Dadurch wird der Effekt einer Risikoadjustierung sichtbar. Der Vergleich von Abbildung 1a mit Abbildung 1c zeigt, dass in einigen Krankenhäusern, die relativ häufig Patienten mit hohem operativen Risiko behandelt haben, die risikobereinigte Krankenhaussterblichkeit deutlich unter der beobachteten Krankenhaussterblichkeit liegt. In der Praxis bedeutet dies, dass in diesen Krankenhäusern auch schwerkranke Patienten mit gutem Erfolg behandelt werden. Umgekehrt müssen sich natürlich auch Krankenhäuser mit niedriger beobachteter Krankenhaussterblichkeit an der Erkrankungsschwere der von ihnen behandelten Patienten messen lassen.
Mit der BQS-Bundesauswertung 2008 liegen erstmalig für alle in die externe vergleichende Qualitätssicherung einbezogenen herzchirurgischen Leistungsbereiche hochdifferenzierte Instrumente zur Abbildung der Krankenhaussterblichkeit vor. Hiervon profitieren sowohl Krankenhäuser als auch Patienten, Versicherte und ihre Angehörigen. Die Krankenhäuser können die Ergebnisse der Risikoadjustierung für die aktive Entwicklung ihrer medizinisch-pflegerischen Behandlungsqualität nutzen. Die Erfahrungen aus dem Strukturierten Dialog in der isolierten Koronarchirurgie zeigen, dass gerade Krankenhäuser mit anfangs auffällig hoher In-Hospital-Letalität mit Unterstützung der Experten der Fachgruppe Herzchirurgie deutliche und nachhaltige Verbesserungen erzielen können. Patienten und ihren Angehörigen, die bei einer Entscheidung für ein bestimmtes Krankenhaus auch Informationen zur Krankenhaussterblichkeit heranziehen möchten, stehen durch eine aktuelle Risikoadjustierung deutlich belastbarere Daten zur Verfügung als bei isolierter Betrachtung von nicht adjustierten Kennzahlen.