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Modellierung der Risikofaktoren durch logistische Regression

Tabelle 2: Isolierte Koronarchirurgie – Ergebnis der 
multiplen logistischen Regression für den KCH-Score 3.0

Die drei Risikoadjustierungsmodelle wurden mit den herzchirurgischen Datenpools zur BQS-Bundes­aus­wertung 2008 entwickelt. Grundlage waren alle Patienten, bei denen in der ersten Operation während des stationären Aufenthaltes ein Eingriff zum jeweiligen Leistungsbereich vorgenommen wurde:

  • isolierte Koronarchirurgie: 45.514 Patienten
  • isolierte Aortenklappenchirurgie: 11.794 Patienten
  • kombinierte Koronar- und Aorten­klappen­chirurgie: 7.700 Patienten

Für die isolierte Aortenklappen­chirurgie wurde ein gemeinsames logistisches Modell für alle Patienten mit vergleichbarer Grunderkrankung ge­bil­det. Für die BQS-Bundesauswertung erfolgte anschließend eine Unterteilung in konventionell-chirurgische und kathetergestützte Eingriffe.

Potenzielle Risikofaktoren zur Krankenhaus­sterblichkeit wurden durch die Fachexperten der BQS-Fachgruppe Herzchirurgie sowie mittels Leitlinien und Literaturrecherche ermittelt. Bei der aktuellen Entwicklung wurden insgesamt 23 im Datensatz Herzchirurgie erhobene präoperative, mögliche Risikofaktoren hinsichtlich ihres Ein­flusses auf die In-Hospital-Letalität untersucht. Unter Verwendung von multiplen logistischen Regressionsmodellen lassen sich nicht nur Aussagen darüber treffen, ob bestimmte Faktoren überhaupt einen Einfluss auf einen bestimmten binären Zustand (zum Beispiel im Krankenhaus verstorben: ja/nein) eines Patienten ausüben. Auch lässt sich der simultane Einfluss dieser Risikofaktoren auf die Versterbens­wahrschein­lich­keit quantifizieren. Dazu wurde zunächst eine Variablenselektion nach mathematisch-statistischen Gesichtspunkten durchgeführt und Variablen ohne signifikanten Einfluss aus der Modellbildung entfernt. So konnte bei gleichzeitiger Berücksichtigung der im Modell verbliebenen Risikofaktoren in allen drei Leistungsbereichen kein signifikanter Einfluss für die folgenden Variablen nachgewiesen werden: signifikante Hauptstammstenose, instabile Angina, Angina pectoris und vorausgegangene PCI. Die Variablen Fettstoffwechselstörung, arterielle Hypertonie und Nikotinabusus wurden schon bei der Entwicklung des KCH-Scores im Jahr 2004 als Variablen ohne zusätzlichen Einfluss identifiziert und bei der Datensatzüberarbeitung 2007 aus dem Datensatz entfernt. Die verbliebenen Risikofaktoren auf die Krankenhaussterblichkeit in einem der drei Leistungsbereiche sind in Tabelle 1 näher definiert.

Tabelle 3: Isolierte Aortenklappenchirurgie – Ergebnis der multiplen logistischen Regression für den AKL-Score

Die letztendlich resultierenden (verschiedenen) Variablen mit gemeinsamen Einfluss auf die In-Hospital-Letalität für die drei einzelnen herzchirurgischen Leistungsbereiche sind schließlich den Tabellen 2 bis 4 zu entnehmen (Tabelle 2: isolierte Koronarchirurgie/KCH-Score 3.0; Tabelle 3: isolierte Aortenklappenchirurgie/AKL-Score; Tabelle 4: kombinierte Bypass- und Aortenklappenchirurgie/KBA-Score). Dort sind auch die jeweiligen Ergebnisse der multiplen logistischen Regression dargestellt. Die Regressionskoeffizienten stellen dabei die in dem Modell berechneten Gewichtungen der einzelnen Risikofaktoren dar, mit dem Standardfehler als Maß der Variation. Aus beiden zusammen berechnen sich mittels Wald-x2-Teststatistik die p-Werte.

Mit dem Odds-Ratio, das ebenfalls aus den Re­gressions­koeffizienten berechnet wird, lässt sich schließlich aussagen, um welchen Faktor die einzelnen Risikofaktoren die Chance erhöhen, nach oder während eines Eingriffs im Krankenhaus zu versterben. So ist nach einem isoliert koronarchirurgischen Eingriff die Chance zu versterben für Notfallpatienten 2,13-mal höher als für Nicht-Notfallpatienten, wenn an­sonsten gleiche Risiken vorliegen. Da sich diese Interpretation auf die Chance (= Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus zu versterben/Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus nicht zu versterben) bezieht, werden zur Berechnung der vom Patientenrisiko abhängigen erwarteten Letalität die Regressionskoeffizienten verwendet.

Tabelle 4: Kombinierte Bypass- und Aortenklappen­chirurgie – Ergebnis der multiplen logistischen Regression für den KBA-Score