Dr. Josef Siebig
Vertrauen stärken – Verbesserung der Ergebnisse hält weiter an
Die Qualität der medizinischen Versorgung ist Vertrauenssache – das gilt in besonderem Maße für den Bereich der stationären Krankenhausbehandlung. Dieses Vertrauen der Patientinnen und Patienten in die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser in Deutschland zu stärken, das ist mir als Unparteiisches Mitglied des Gemeinsamen Bundesausschusses und als Vorsitzender des entsprechenden Unterausschusses für Qualitätssicherung ein ganz besonderes Anliegen.
In den vergangenen Jahren haben sich die Orientierungsmöglichkeiten bei der Suche nach einer geeigneten Klinik erfreulicherweise vervielfacht: Gesetzliche Krankenkassen und private Anbieter informieren in Sachen Qualität mit speziellen Internet-Portalen, Krankenhausführer bilden Qualitätsergebnisse von Kliniken vor Ort ab und der G-BA hat eigens für medizinische Laien eine leicht verständliche Lesehilfe für Krankenhaus-Qualitätsberichte veröffentlicht. Die Darstellung der Ergebnisqualität der Krankenhausbehandlung ist also längst nicht mehr ein „Buch mit sieben Siegeln“, sondern nicht zuletzt durch den BQS-Qualitätsreport fortlaufend verbessert und ausgeweitet worden. Diesen Prozess wird der G-BA auch künftig weiter befördern und konstruktiv begleiten.
Die vorliegende Bundesauswertung 2008 verdeutlicht, wie die externe stationäre Qualitätssicherung in dem abgebildeten Berichtszeitraum weiter entwickelt wurde und zur Verbesserung der Versorgungsqualität beigetragen hat: Von den insgesamt 206 Qualitätsindikatoren wiesen immerhin 80 signifikante Verbesserungen auf. Patientinnen und Patienten in deutschen Krankenhäusern werden in vielen Bereichen – etwa in der Herzchirurgie, bei der Karotis-Rekonstruktion, in der Kardiologie oder bei Nieren- und Pankreastransplantationen – auf einem hervorragenden Niveau versorgt, welches im internationalen Umfeld keine Vergleiche scheuen muss.
Bei 96 Indikatoren konnte keine nennenswerte Veränderung im Vorjahresvergleich festgestellt werden, lediglich bei neun Qualitätsindikatoren musste eine signifikante Verschlechterung konstatiert werden. Besonders bei diesen Ergebnissen wird aber der bereits bewährte Strukturierte Dialog der Fachexperten der BQS und der Länder mit den Krankenhäusern Hilfestellungen liefern, um eventuellen Mängeln und echten Defiziten in der Versorgungsqualität nachzugehen und diese so schnell und umfassend wie möglich zu beseitigen. Bei 21 Indikatoren war ein Vergleich mit den entsprechenden Ergebnissen des Jahres 2007, zum Beispiel aufgrund neuer Testverfahren, nicht möglich.
Die anhaltende Verbesserung der Ergebnisse im Vergleich zu den Vorjahren insgesamt zeigt, dass das Instrument eines anonymen Benchmarkverfahrens und die anschließende gezielte Intervention durch den Strukturierten Dialog geeignete Mittel sind, um die Versorgungsqualität in den Krankenhäusern kontinuierlich zu verbessern. Der G-BA geht dabei der Frage nach, welche zusätzlichen Handlungsmöglichkeiten zur Unterstützung des BQS-Verfahrens bestehen, beispielsweise bei der Ursachenanalyse, wenn bei bestimmten Krankenhäusern keine Verbesserungen sichtbar werden. Hier ist der G-BA in einen intensiven und zielführenden Dialog mit den Fachgesellschaften einzelner Leistungsbereiche getreten.
Dank des großen Engagements der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BQS, der Krankenhäuser und der zuständigen Institutionen auf Landesebene können mittlerweile die Ergebnisse der Krankenhäuser systematisch betrachtet und analysiert werden. Dies ist die Basis für Rückschlüsse auf die tatsächliche Versorgungsqualität. Dabei geht es immer um die übergeordneten Ziele des Qualitätsmanagements, also
- den Erfolg der Krankenhausbehandlung zu sichern,
- die Qualität der Behandlung zu verbessern und weiterzuentwickeln, Prozesse und Abläufe zu optimieren,
- Qualitätswettbewerb unter Kliniken zu schaffen,
- den Patienten eine Hilfestellung zu geben, das für ihre Bedürfnisse passende Haus zu finden und
- den Krankenkassen zurückzumelden, in welcher Klinik sie Qualität bezahlen.
Erst vor wenigen Monaten etwa hat der G-BA beschlossen, dass Krankenhäuser, die zur Versorgung von Früh- und Neugeborenen zugelassen sind, künftig ihre Ergebnisdaten im Internet veröffentlichen müssen. In einer ersten Phase werden diese spezialisierten Krankenhäuser (Perinatalzentren) unter anderem Daten auf ihrer Website veröffentlichen, die Auskunft über die Häufigkeit von Hirnblutungen, Netzhauterkrankungen und entzündlichen Darmerkrankungen bei den in den jeweiligen Krankenhäusern versorgten Früh- und Neugeborenen sowie zu den Sterblichkeitsraten geben. Dadurch erhalten werdende Eltern wichtige Informationen für die
Auswahl eines Krankenhauses. Außerdem geben die Daten den einweisenden und weiterbetreuenden Vertragsärztinnen und -ärzten eine wertvolle Orientierungshilfe.
Im Rahmen der künftigen Entwicklungen im Gesundheitswesen – wie zum Beispiel dem immer schneller werdenden medizinischen und technischen Fortschritt bei gleichbleibend knappen Ressourcen – wird das Thema externe stationäre Qualitätssicherung auch in den nächsten Jahren ohne Zweifel weiter an Bedeutung gewinnen. Die neue Herausforderung wird dabei in der sektorenübergreifenden Ausrichtung der Qualitätssicherung bestehen.
Siegburg, im Juli 2009
Dr. Josef Siebig
Unparteiisches Mitglied im Gemeinsamen Bundesausschuss, Vorsitzender des G-BA-Unterausschusses Qualitätssicherung